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VON LANG

Karl Heinrich Ritters von Lang

Ein früher Kritiker der Gesellschaft und von Steins: Karl Heinrich Ritter von Lang

Text aus: Memoiren des Karl Heinrich Ritters von Lang. Skizzen aus meinem Leben und Wirken, meinen Reisen und meiner Zeit (Bibliotheca Franconica 10, 1984 [=Faksimile der Ausgabe 1842 mit einem Nachwort von Heinrich von Mosch])

Zu von Lang (1764-1835) vgl. Bernhard Sicken, in: NDB 13 (1982) S. 542f.



||S. 292|| Im Jahre 1819 wurde ich als außerordentliches correspondirendes Ehrenmitglied der Frankfurter Gesellschaft fuer Deutschlands aeltere Geschichtskunde aufgenommen. Der Antheil, den ich von der Zeit an den Angelegenheiten der Gesellschaft nahm, beschraenkte sich hauptsaechlich darauf, daß ich ihr noch ein und das andere nuetzliche Mitglied vorschlug, manche Anfragen und Aufgaben in ihrer Zeitschrift (Archiv der Gesellschaft) zu loesen versuchte, besonders aber mich den gar zu sehr aus einander fahrenden und ins Weite spielenden Planen widersetzte, womit man sogar Gedichte und Ritterromane, z. B. den Waltharius und alle und jede Urkunde der saemmtlichen Kaiser drucken lassen wollte, wozu wohl 200 Foliobaende nicht hingereicht haetten. Inzwischen hat sich dieses Feuer nur allzubald abgekuehlt; das Archiv hat ganz aufgehoert; von den Monumenten sind wir wenigstens so gluecklich gewesen, bis jetzt Einen Band ||S. 293|| zu erlangen, aber allerdings einen sehr vorzueglichen und guten durch Pertz. Alles uebrige scheint mit Mann und Maus eingeschlagen zu sein. Die Hauptursache war wohl der Abfall der fuer das gar zu kostbar angefangene Institut beitragenden Mitglieder. Der Deutsche faengt Alles gleich gar zu weitlaeufig und immer mit Posaunen an; außerdem soll aber der großherzige Stifter, der Minister v. Stein, selbst der Anstalt am meisten geschadet haben durch das ihm zur Gewohnheit gewordene ministerielle Vielregieren und bureaumaeßige Entscheiden aus dem Stegreif, wodurch der republicanische Geist einer solchen Gesellschaft auseinander gefahren. Es hat dem Herrn von Stein der rechte Rathgeber, Sprecher und technische Leiter gefehlt, oder er hat nicht folgen wollen. Ein bloßer Geschichtsminiser thut’s nicht“.

Anmerkung: Die vorstehende Passage muß nach 1826 und vor 1829 geschrieben worden sein: Von Lang spricht von einem Band der Monumenta. Der erste erschien 1826, der zweite 1829. Daraus ergibt sich der Zeitraum der Niederschrift der oben wiedergegebenen Passage.

Über G. H. Pertz, den von Lang in Wien traf:
||S. 299|| Herr Pertz war aus Auftrag des Frankfurter Vereins mit historischen Forschungen in den oesterreichischen Bibliotheken beschaeftigt und bereitete sich zu einer weitern Reise nach Italien vor. In ihm hat, wie sich spaeter gezeigt hat, die Gesellschaft ihren rechten Mann getroffen. Er ist ||S. 300|| ein Buergersohn aus Hannover, in Goettingen gebildet, still, beinahe schuechtern, fleißig ohne Grenzen und hat besonders das Handwerksmaeßige der Manuscriptenkenntniß und der Lesekunst ganz weg.


Cappenberg | Ranke über Pertz